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Der Hitchhiker’s Guide, die Smartphones, die Wikipedia und ich

Ich habe Ford Prefect immer beneidet. Diesen froody Typ aus Douglas Adams' Per Anhalter durch die Galaxis, der den britischen Stubenhocker Arthur Dent kurz vor der Zerstörung der Erde auf eine irrsinnige Reise durch das All mitnimmt. Ford ist ein Weltenbummler, ein interstellarer Reisender. Eben ein Anhalter im Kosmos, der seinen Daumen hebt und sich Lichtjahr für Lichtjahr, Parsec für Parsec auf Raumschiffen durch die weiten der Galaxie hangelt. Wobei natürlich verdammt viel schief läuft, was nicht zu Letzt seinem Halbcousin und Präsdient der Galaxis Zaphod zu verdanken ist. Während der eher unfreiwillig mitgezerrte Arthur dabei eigentlich dauerhaft kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, ist Ford stets so gelassen, wie ein Amsterdamer Coffee-Shop-Verkäufer. Selbst im Angesicht des sicheren Todes ist er die Ruhe in Person und versucht sich mit einer gelassenen Verhandlung aus der Affäre zu ziehen. Und weiss er selbst nicht weiter, dann hilft ihm sein Reiseführer: eben das titelgebende Büchlein Per Anhalter durch die Galaxis - The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy! So ein Teil wollte ich, als ich die Bücher in meiner Jugend las, immer haben.
Denn laut Adams Beschreibung im ersten ersten Roman der 4teiligen Trilogie in 5 Büchern mit Zusatzband, ist der Reiseführer...
… vielleicht das bemerkenswerteste Buch das die großen Verlage von Orsamino herausgebracht haben, bestimmt aber ihr absoluter Verkaufshit. Und in vielen der etwas lässigeren Zivilisationen am äußersten Ostrand der Galaxis hat dieser Reiseführer (Per Anhalter durch die Galaxis) die große Encyclopaedia Galactica als Standard-Nachschlagewerk für alle Kenntnisse und Weisheiten inzwischen längst abgelöst, denn obwohl er viele Lücken hat und viele Dinge enthält, die sehr zweifelhaft oder zumindest wahnsinnig ungenau sind, ist er dem älteren, viel langatmigeren Werk in zweierlei Hinsicht überlegen. Erstens ist er ein bisschen billiger, und zweitens stehen auf seinem Umschlag in großen, freundlichen Buchstaben die Worte KEINE PANIK (Don't Panic).
Im konkreteren Sinne ist der Reiseführer aber nicht wirklich ein klassisches Buch, sondern eher ein elektronischer Helfer. Eine flacher Computer, ein Tablet-PC mit einer umfangreichen Datenbank. Denn Adams selbst umreißt das Gerät bildlich als ein Teil von der Größe eines Taschenrechners, gespickt mit etlichen Knöpfen und einem kleinen Bildschirm, über den dann die abgerufenen Informationen flattern. Einfach bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Douglas Adams seine Anhalter-Reihe bereits 1978 als Radiospiel für die BBC erdachte und dann ab 1979 in Buchform goss. Einer Zeit, da der Apple 2 mit das modernste war, was die Computer-Industrie bis dato hervor gebracht hatte und IBM-PCs und selbst der C64 noch Zukunftsmusik waren. Datenbanken mit dem gesammelten Wissen über die Erde, geschweige denn des Universums? Irrsinn. Oder eben Computer in der Größe von Taschenrechnern? Spinnerei! Vor allem daher ist's geradezu zum Heulen, dass Douglas Adams 2001 in einem Fitnessstudio einem Herzanfall erlag und er so die heutige Smartphone-Revolution nicht mehr miterleben konnte. Denn ein Großteil der Menschheit läuft heute mit Geräten in der Tasche herum, die das können, was Adams' Reiseführer immer können sollte – und noch viel mehr. Von unterwegs, mitten in der Pampa kann man via Internet auf die Wikipedia zugreifen – oder hat ein Dump davon auf dem Phone -, per Google Maps nach dem Weg suchen oder sich mit Übersetzungsservices in fremden Ländern verständigen. Doch, ja, vor allem die Wikipedia ist's, die unsere Smartphones zum Hitchhiker’s Guide machen. Denn sie zeigt noch andere Parallelen zum berühmten Reiseführer.

Im Gegensatz zur Encyclopaedia Galactica die von trilliarden Redakteuren gefüllt und stets überprüft wird, tausende Jahre von galaktischer Geschichte enthält, wird der Anhalter eigentlich von einigen Wenigen am laufen gehalten. Und da die ständig am Essen sind und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, werden viele der Inhalte von zahllosen Fremden rangeschleppt, die des Nachmittags unvermittelt in die Büros des Anhalter-Verlags Megadodo auf Ursa Minor Beta stolpern und den wenigen Anwesenden ihre Erlebnisse und Erkenntnisse auf den Schreibtisch kübeln. Das machte den Anhalter schnell sehr umfangreich. Sorgt dafür, dass zu allem irgendwas drin steht. Auch wenn vieles davon zweifelhaft oder zumindest wahnsinnig ungenau ist. Genau wie die allwissende Müllhalde, die Wikipedia. Schon häufig wurde gesagt, das Online-Lexikon sei wenig vertrauenswürdig, der Leser dürfe sich nicht drauf verlassen, was dort geboten wird. Doch das dem generell nicht wirklich so ist, das mussten sogar die härtesten Kritiker einsehen: in manchen Punkten schläft die Wiki selbst alteingesessene Wissensinstitutionen. Daher ist's also doch irgendwie gut, dass jeder Dahergelaufener an diesem Webprojekt mitarbeiten, Artikel schreiben, ausbessern, Links einfügen und Dinge zur Diskussionen stellen kann. Klar, das führt, wie beim Anhalter, zu unglaublich vielen Einträgen von denen so einige über die Prioritätensetzung und verfügbare Freizeit der Schreiber grübeln lassen. So finden sich Abhandlungen zu Dingen, die es nie – unter keinen Umständen – in ein echtes Lexikon geschafft hätten. Was beim Reiseführer umfassende Einträge zu Drinks und Cocktails sind, das sind in der Wikipedia die Lemma zu Star Wars, Dune und Star Trek. Die nehmen dann eben schon mal mehr Platz ein als jene der Geschichte der USA oder den Zweiten Weltkrieg. Aber ist das wirklich schlimm? Nein. Auch wenn nicht in allen Bereichen perfekt, ist die Wikipedia doch alles in allem richtig gut. Sie spiegelt eben die Interessen, Fachgebiete und Vorlieben ihrer Schreiber wieder. Etwas das sie sympathisch, greifbar und vor allem liebenswert und nerdig macht. Denn gerade deshalb investieren Tag für Tag viele ihr Herzblut, ihre Zeit und mit Spenden ebenso Geld in das Projekt, um der Welt Wissen zu schenken.

Natürlich hat das auch Nachteile. Was die Wikipedianer nicht interessiert, worüber sie nichts wissen, das kann schon mal länger oder bis in Ewigkeit unkorrigiert dastehen. Beschwert man sich, dann heißt's: Wenn was falsch ist, dann hör auch rumzujammer und korrigiere es. Und heute ist es immer noch so. Wer ein Manko findet, ist aufgefordert, es auszumerzen. Doch auch das ist nicht immer einfach, wie schon viele gemerkt haben. Wir ein Fehler auf die schnelle korrigiert, kann er wenige Minuten und Stunden wieder dastehen. Grund? Keine Referenz, keine Quelle für die richtige Angabe. Und wenn ein Artikel entsteht, der nicht unebdingt so wichtig erscheint, quälen einen in der deutschen Wikipedia die nervigen Relevanz-Diskussionen. Aber sei's drum. Alles in allem: Das Model, so einfach und riskant es sein mag, funktioniert bisher: wie beim Anhalter so bei der Wikipedia. Deswegen fühle ich mich heute tatsächlich manchmal wie Ford Prefect, der auf einem fremden Planeten wandelt. Auch wenn ich nur in London, Los Angeles oder Paris stehe, per Wikipedia die nächste Sehenswürdigkeit raus suche und mit Offmaps schaue, wie ich da hinkomme.