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The Wolf Among Us

Ja, schlagt mich, aber ich bin erst jetzt dazugekommen, die erste Episode von The Wolf Among Us durchzuspielen. Dafür hab ich das jetzt immerhin am Stück geschafft. Und, was soll ich sagen, ich bin echt angetan. Denn wenn ich die Comic-Serie Fables, auf der The Wolf Among Us basiert, bisher nur so am Rande wahrgenommen habe, bin ich nun entschlossen, mir zumindest den ersten Band davon zuzulegen – und mal reinzuschnuppern.

Im Grunde orientiert sich The Wolf Among Us stark an dem, was Telltale schon mit der The-Walking-Dead-Serie abgeliefert hat. Eben ihrer modernen Interpretation eines Point'n'Click-Adventures, das mit Quick-Time-Events und den frühen Versuchen von 3D-Adventures wie Baphomets Fluch 3 vermengt wird - und dabei echt gut funktioniert. Rumlaufen, Sachen anklicken und untersuchen, Gespräche führen und dabei unter Zeitdruck eine der vorgebenden Antworten wählen oder auch rasch Für- oder Wider-Entscheidungen treffen. Wobei letzteres davon durchaus später Einfluss auf den Ausgang der Geschichte haben kann. Das alles ist, rückblickend auf The Walking Dead, nicht gerade innovativ, experimentierfreudig oder mutig, aber es funktioniert. Ohne ein Tutorial oder einige einführende Worte wird man direkt ins Geschehen geworfen. Was zu tun ist, erkennt man schon nach Sekundenbruchteilen – und spätestens, wenn wie wahnsinnig eine Buchstaben-Taste auf dem Schirm pulsiert.

Viel mitreißender als das Gameplay selbst ist, was Telltale in Sachen Story und Atmosphäre erschafft. Denn vor allem, wer die Comic-Vorlage nicht kennt, der wird hier in eine überraschend schöne und surreale Welt gezogen. Stellt euch vor, alle Grimmschen Märchen sind wahr. Die Geschichten von den Sieben Zwergen, den Märchenprinzen, den sprechenden Fröschen und fiesen Monstern. Nur spielten diese Geschichten in einer Parallelwelt – und plötzlich waren diese Märchenfiguren gezwungen, in unsere Welt überzusiedeln. Sie leben nun in New York City, in einer geheimen Gemeinschaft, die versucht, sich vor unseren Augen zu verbergen. Einige der Märchenwesen können problemlos unter uns wandeln, denn sie sehen aus wie wir. Andere versuchen mit Zaubern und Tränken menschliche Form anzunehmen. Andere wiederum, denen auch das nicht hilft, müssen auf einer Farm außerhalb der Stadt ihr Leben fristen. Doch eines haben alle gemeinsam: sie sind hier fremd und nicht gerade glücklich.

In der Fabletown genannten Gemeinschaft der Märchenwesen muss freilich für Ordnung gesorgt sein. Denn abseits Der Heimat sind Hierarchien und Rangordnungen plötzlich aufgelöst. Eine Königin ist plötzlich ohne Reich. Ein Holzfäller ohne Wald und Job. Einzig bleibt den Fabelwesen ein unnatürlich langes Leben, das sie in der Fremde nun ertragen müssen. So herrschen Ratlosigkeit, Resignation, Wehmut und Angst vor dem Verlust des eigenen Ich. Ausgerechnet der große böse Wolf, Bigby, wurde einst zum Sheriff gemacht und setzt mit harter Hand Recht und Ordnung durch. Doch eines Tages kommt es zu einem Mord in Fabletown. Etwas, das es lange nicht gab. Und plötzlich steht die Märchengemeinde Kopf. Die Ermittlungen führen den Wolf auf die Spur eines fast vergessenen Märchencharakters, einen Ring, einen verwahrlosten Prinzen und … Doch ist's nicht der Fall selbst, der so begeistert, sondern tatsächlich die Figuren und Dialoge. Sie sind durchdacht, bewegen und sind herrlich liebevoll inszeniert. Die Charaktere werden nicht mit dem Holzhammer eingeführt, sondern erst Situationen, sachte Andeutungen und diffuse Anspielungen, lassen erkennen, wer hinter dem Äußeren steckt. Etwas das Schwein Colin, das in Bigbys heruntergekommen Appartement pennt, entpuppt sich nach einigen Minuten als eines der Drei kleinen Schweine. So haben diese Momente und Charaktere Raum zum Atmen und Entfalten, was ihnen Tiefe und Charm verleiht. Vor allem der Dialog zwischen dem Wolf und Schneeweißchen – Snow White – auf einer Taxifahrt, gewährt tiefe Einblicke ins Gemüt von Bigby und des nun von den Zwergen losgelösten Mädchens, das versucht, sich in New York City über Wasser zuhalten, aber auch weiss, dass sie's besser hat, als manch Märchenkolleginnen, die sich mittlerweile der Prostitution hingeben müssen.

Ja, denn unter der sonst sehr comichaften Oberfläche ist The Wolf Among Us teilweise recht hart. Und auch brutal geht’s an manchen Stellen zur Sache. Das ist's fast etwas schade, dass die Stimmung gerne mal mit hetzenden Tastendrückereien zu Nicht gemacht wird. Die sind jedoch freilich auch gut inszeniert und cineastisch und ob der sonst so stimmigen Gesamtkomposition durchaus vertretbar, aber gefallen tun sie nicht. Auch, dass die erste Episode recht kurz ausfällt und mit einem bitterbösen Cliffhanger endet, ärgert etwas. Doch das Hoffen auf's baldige Erscheinen der nächsten Episode zeigt, dass diese paar Kritikpunkte nicht allzu sehr ins Gewicht fallen und Telltale hier wirklich ein schönes Stück Spielkultur geschaffen hat.