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Die (meiner Meinung nach) interessantesten Found-Footage-Filme


Ich bin ein verdammt großer Freund von Found-Footage-Filmen. Jenen Filmen also, die fiktive und meist fantastische Ereignisse präsentieren, dabei allerdings den Eindruck erwecken, als wären sie von Amateuren mit Camcordern, Hand- und Smartphone-Kameras festgehalten worden – und als sei deren Bewegtbildmaterial dann irgendjemanden in die Hände gefallen, der es als Doku oder Investigativreport aufbereitete. Vorreiter dieser Art der Inszenierung ist natürlich Blair Witch Project. Denn auch wenn der Budget-Horror-Streifen nicht der erste Found-Footage-Streifen war, ist er doch der erste, der seinerzeit dank fantastischem Marketings den Durchbruch in den Mainstream schafft und einen überwältigenden finanziellen Erfolg verbucht. Blair Witch hat die Filmlandschaft einfach nachhaltig geprägt. Und zwar derart, dass nach wie vor fast ausnahmslos alle Found-Footage-Filme dem Horror-Genre zuzuordnen sind.

Was so viele – wie eben auch mich – an Found-Footage-Filmen fasziniert? Es ist wohl schlicht der Scheinrealismus. Hochglanz-Hollywoodfilme kommen glattgebügelt und mit stilisierter Farbpalette daher; statt einem Abbild der Realität bilden sie eher eine Art Hyper-Realität. Sie erschaffen mit ihrer Ästhetik eine klare Trennlinie zwischen Zuschauer und Film. Eine Art virtuelle Schutzzone, wenn man so will, die einen – ob nun gewollt oder nicht – Übergriff des filmischen Geschehens auf die eigene Wirklichkeit verhindert oder zumindest erschwert: man ist sich stets gewiss, nur ein Zuschauer zu sein und ein Kunstprodukt zu betrachten. Bei Found-Footage-Filmen ist dies anders. Sie imitieren offensiv die Wirklichkeit in dem sie den Look und die Ästhetik von Alltagsaufnahmen oder auch Film-Dokumentationen nachahmen, die jeder aus eigener Anwendung, von Youtube oder dem TV-Nachrichten und Dokus kennt. Teils wird auch das typisch unaufgeregt lapidare Bild von Regierungsaufzeichnungen der 60er bis 90er-Jahre, der vollkommen neutrale Überwachungskamera- oder objektive Nachrichtensendungmitschnitt abgebildet. Oder alles auf einmal, wie aktuelle Found-Footage-Filme zeigen. Eine Bildgestaltung jedenfalls, deren Stil mit dem „Wiedergeben der Realität“ assoziiert wird. Im Zuge dessen tritt einem ein solcher Film – oder besser: das Material – näher; denn schließlich sieht er aus, als könnte man ihn selbst aufgezeichnet haben. Die Barriere zwischen Fiktion und Realität scheint durchlässiger, dünner und wird bei manch einem gar auch mal durchbrochen.

Natürlich klappt dieses Spiel mit dem Material und der gestellten Naturalität nicht immer. Und manch Macher moderne Found-Footage-Filme nutzt den Look eher als einfaches und unreflektiertes Stilmittel, wirft verschiedenste Aufnahmearten durcheinander – was nicht unbedingt schlecht sein muss. Das Genre des Found-Footage-Film hat jedenfalls einige durchaus beeindruckende Streifen, interessante Experimente und gar objektiv großartige Filme hervorgebracht, die man als Cineast mal gesehen haben sollte.

Die folgenden Streifen sind für mich derzeit die mit interessantesten – wobei ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern lediglich meine subjektive Meinung erhebe. Auch ist die Liste ohne besondere Reihenfolge oder gar eine Art von Ranking gehalten.

Les documents interdits - Verbotene Aufnahmen
Faszinierend: die zwölf aneinandergereihten Kurzfilme des Franzosen Jean-Teddy Filippe sind mit das ungewöhnlichste aber im Sinne der Genrebezeichnung eigentlich klassischste Werk des Found Footage. Denn tatsächlich präsentieren sich die wenige Minuten langen aber beeindruckenden Bilder als Aufzeichnungen von Regierungsstellen, Privatvideos, Reportagen und TV-Live-Aufzeichnungen aus verschiedenen Jahrzehnten, die äußerst surreale Ereignisse dokumentieren. Stetig kommentiert eine vollkommen neutrale Stimme die Bilder; erklärt, was gerade passiert und auf was man achten sollte. Die Ereignisse selbst sind dafür umso bizarrer: mal zeigen sie Geisterwesen in der Wüste; Schiffbrüchige, die von Wassermenschen heimgesucht werden; einen vermeintlich extraterrestrischen Besucher oder einen Verrückten, der seine eigene UFO-Entführung gefilmt haben will. Die kurzen Filmchen wirken durch ihre Machart so authentisch, dass sie von so manchem für echt gehalten werden.

Alien Abduction: Incident in Lake County aka The McPherson Tape / UFO Abduction
Schon im Jahr 1989 drehte Dean Alioto den Film UFO Abduction, der mit Budget von gerademal 6.500 US-Dollar verwirkliche wurde. Aufgenommen mit einer typischen Handvideokamera, die im Laufe der Zeit von verschiedenen Personen geführt wird, zeigt er die Geburtstagsfeier einer Familie, bevor diese von Außerirdischen entführt wird. Immer wieder wurde und wird der Streifen für „echt“ gehalten – und machte damit auch Schlagzeilen. Wohl auch deshalb drehte Dean Alioto gemeinsam mit dem Sender UPN 1998 eine Art Remake, das die Titel Alien Abduction und The McPherson Tape trägt und quasi die gleiche Geschichte noch einmal erzählt, dabei aber ausgefeilter und durchdachter kommt. Vor allem entwickeln die Figuren hier dank teils begabter Schauspieler Charakter, zeigen im Verlauf der Ereignisse Furcht und Panik, so dass die Bilder teils erstaunlich authentisch scheinen. Bei der Ausstrahlung im TV erregte der Film tatsächlich Aufsehen und wurde von etlichen Zuschauern für real gehalten, was einige Kontroversen um die Kennzeichnung solchen Materials nach sich zog.

The Bay
In einer Kleinstadt in Maryland, USA beginnen während eines Volksfestes plötzlich etliche Bewohner an merkwürdigen Symptomen zu leiden: Blasen bilden sich auf ihrer Haut, Geschwüre wuchern, sie bluten aus allen erdenklichen Körperöffnungen und Dinge scheinen sich unter ihren Fleisch zu bewegen. Es kommt zur Panik. Ein kleines Team unter einer Jungreporterin geht den Geschehnissen nach. Ebenso versucht auch ein Mediziner der bizarren Lage Herr zu werden. Die Story wird aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven gezeigt: auch Einspieler aus Nachrichtensendungen, einem Videochat eines erkrankten Teenagers, Konferenzen von Wissenschaftlern, einer Kamera aus einem Polizeiwagen und Aufnahmen von Meeresbiologen sind dabei. Damit zählt The Bay zu den wenig klassischen Vertretern des Genres, mag mir persönlich aber durchaus gefallen, selbst wenn sich die Szenen hie und da etwas verlaufen.

The Dyatlov Pass Incident
Eine Gruppe russischer Abenteurer stirbt eines mysteriösen Todes bei einer Wanderung durch das ewige Eis – und das tatsächlich. Ein Trupp amerikanischer Studenten will herausfinden, was diesen Ostblocklern widerfahren ist und verschwindet dabei selbst spurlos. Doch ihre Kameraausrüstung wird von Sicherheitskräften gefunden, das Material anschließend von Hackern von einem Server gestohlen und enthüllt ziemlich verstörende Ereignisse. Unter anderem eine riesige Stahltür, die im Niemandsland an einem Berghang prangt. Auch wenn der Film als solches einige Durststrecken birgt, mag die mythische Story mich persönlich echt begeistern und überrascht mit bizarren Twists und Verknüpfungen, die vor allem Menschen mit Interesse an Verschwörungstheorien ansprechen dürften.

The Conspiracy
In The Conspiracy folgt eine Gruppe junger Doku-Filmer zu beginnen einem offensichtlich besessenen und bemitleidenswerten Verschwörungstheretiker, der voller Inbrunst seine Mitmenschen vor einem gigantischen Komplott zu warnen hofft. Doch alle sehen in ihm nur einen Bekloppten. Als die Filmemacher jedoch vom verschwinden des paranoiden Kauzes erfahren, beginnen sie seinem Muster zu folgen und stoßen auf eine mächtige … naja, etwas, das sie hätten lieber nicht entdecken sollen. Bei seiner zu Beginn fast menschelnden Story driftet der Streifen nach und nach ins recht obskure und letztlich leider etwas Undurchdachte ab. Dennoch gefällt der narrative Ansatz, der sich bei mal bekannteren und mal weniger bekannten Verschwörungstheorien bedient. Ach … und es ist mal kein Horror-Streifen.

Paranormal-Activity-Reihe
Auch wenn die gesamte Paranormal-Activity-Reihe mittlerweile ziemlich verschrieen ist und vor allem über die letzten Teile an Qualität abnahm, sollte man sie gesehen haben, um das Found-Footage-Genre zu verstehen. Die kostengünstige Produktion – gerade mal 15.000 US-Dollar verschlag Teil 1 und wurde von Regisseur Oren Peli in seinem eigenen Haus gedreht – gepaart mit einigen gekonnten Effekten, einer netten Story um einen Dämon und ein Liebenspaar, das ein neues Heim bezieht, mag kein großer Wurf sein, wirkt aber charmant und einprägsam. Und im Kino mit schreckhaften Teenies gesehen, können die Filme tatsächlich gut schocken! Vor allem aber schafft es Paranormal Activity auch innerhalb des Found-Footage-Genres eine ganz eigene Ästhetik zu wahren: schnell vor spulende Szenen von sich umher wälzenden Menschen in Betten mit der Uhrzeit-Anzeige. Klar, das muss Paranormal Activity sein.

Troll Hunter
Ein Team von norwegischen Filmstudenten spürt einem mysteriösen Kerl hinterher, den sie für einen umherziehenden Wilderer halten. Über Tage tut dieser alles, um den penetranten Studis aus dem Weg zu gehen und ignoriert stoisch ihre Fragen. Doch dann erweicht er und gibt sein Geheimnis preis: er heißt Hans und ist kein Wilderer, sondern arbeitet im Auftrag der norwegischen Regierung – er ist zuständig für die Eindämmung der Trolle, den Fabelwesen, die in der heutigen Zeit als mythische aber irreale Monstren gelten. Seit Jahren arbeite er in diesem Job und sei's mittlerweile leid, weshalb er bereit ist, die jungen Filmemacher mit auf eine Tour zu nehmen. Troll Hunter ist verglichen mit den sonstigen Horror-Streifen herrlich anders. Es vermeidet stumpfe Schockmomente, spielt mit der nordischen Folklore und hat mit Otto Jespersen (Hans) einen großartigen Schauspieler an Bord. Dazu zeichnet der Film einige wahnsinnig opulente Bilder.

Grave Encounters
Lance Preston ist Geisterjäger – oder tut zumindest so. Gemeinsam mit seinen Kollegen inszeniert eine Fernsehshow, bei der er gespenstische Orte erforscht und nach paranormalen Aktivitäten Ausschau hält. Wirklich ernst nehmen tun sowohl er als auch seine Kollegen dies nicht: auch sie halten Geister für Humbug. Jedenfalls bis sie sich für eine Nacht in der ehemaligen Collingwood Irrenanstalt einschließen lassen. Denn sodann passieren tatsächlich verquere Dinge und sämtliche Wege nach draußen sind verschwunden. Grave Encounters ist ein echte Überraschung und teils ziemlich gruselig – und recht gut inszeniert. Leider gilt für Teil 2 das genaue Gegenteil, in dem ein Teenager dem Verbleib von Lance Preston nachspüren will.

Paranormal Investigations
Warum Death of a Ghost Hunter in Deutschland unter dem Titel Paranormal Investigations veröffentlicht wurde, das kann man sich ja wohl denken. Doch hat der Low-Budget-Streifen von Sean Tretta eher einiges mit Grave Entcounters als Paranormal Activity gemein – und ist dabei erstaunlich untrashig und durchaus ernstzunehmen. Für 5.000 US-Dollar wird Geisterjägerin Carter Simms für eine Untersuchung der Vorgänge im Masterson-Haus angeheuert, in dem vor 20 Jahren eine ganze Familie abgeschlachtet wurde. Simms lässt sich darauf ein und bekommt zur Dokumentation all dessen eine Journalistin und einen Kameramann an die Seite. Schon bald passieren erste bizarre Dinge..., die durchaus Gänsehaut bereiten und sich in ein groteskes Ende steigern. Trotz wenig Budget - angeblich weniger als die Gage der Geisterjägerin - ist Paranormal Investigations überraschend gekonnt inszeniert. Wenn da nur nicht die miesen Schauspieler wären.

REC-Reihe
Die hübsche Reporterin Ángela Vidal moderiert eine Abendsendung für einen kleinen Lokalsender aus Barcelona und begleitet dafür die Feuerwehrmänner einer Feuerwache bei der Arbeit. Nachdem eine ganze Zeit nichts passiert, werden die Feuerwehrleute in ein Appartementgebäude gerufen, da eine ältere Dame scheinbar in ihrer abgeschlossenen Wohnung einen Unfall hatte. Doch greift die blutverschmierte Frau urplötzlich einen Polizisten an und gräbt ihre Zähne tief in dessen Fleisch. Wenige Minuten später das gesamte Gebäude von der Regierung abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt. Die Bewohner, die Feuerwehrleute und das Kamerateam sind inmitten des Hauses gefangen. REC ist geradezu beispielhaft für das Found-Footage-Genre und gleichzeitig mit der beste Abkömmling der Zunft. Spannend inszeniert, mit guten aber unverbrauchten Schauspielern besetzt und trotz Wackelkamera gut schaubar. REC 2 und REC 3: Genesis folgen den Tugenden annähernd, reichen Qualitativ aber nicht an das Original heran. Wobei letzterer aufgrund seines tiefschwarzen Humors durchaus etwas für sich hat. Ach, und da ist natürlich noch Quarantaine, ein US-Remake von REC, das man jedoch getrost ignorieren darf.

Apollo 18
Am 7. Dezember 1972 setzte das vorerst letzte Mal ein Mensch seinen Fuß auf den Mond. Doch wieso? Wieso sind wir nie auf unseren Erdtrabanten zurückgekehrt? Laut Apollo 18 hat die USA mit einer gleichnamigen Mission jedoch durchaus noch einmal Menschen auf den Mond geschossen. Allerdings verlief die Mission anders als geplant, wurde anschließend für geheim erklärt, sämtliches betreffende Material weggeschlossen – und jede weitere Reise gen Lunar gestrichen. Mit gutem Grund. Denn nachdem die Raumfahrer ihre Astronautenstiefel in den Staub setzen, zeigt sich, dass sie in der Einsamkeit der Kraterlandschaften nicht wirklich alleine sind... Auch wenn der rote Fanden in Apollo 18 etwas dichter gesponnen sein könnte, verfängt das Astronautenszenario und die unbekannte Bedrohung sofort. Viele der Bilder machen Eindruck und verblüffen: alleine die fiktive Erkenntnis, dass die Amis vielleicht doch nicht die ersten auf dem Mond waren – fantastisch!

V/H/S-Reihe
Ein paar Teenager-Einbrecher. Ein einsames Haus. Ein Haufen von merkwürdigen Videokassetten, die allesamt verdammt verstörenden Scheiss zeigen. Das ist die Handlung von V/H/S, die den seichten Rahmen für sechs Horror-Found-Footage-Kurzfilmchen mehr oder minder bekannter Regisseure bildet. Die Shorts sind durchgehend recht blutig und bizarr: so endet eine Party- und Sex-Nacht in einem vampirösen Blutbad; ein junges Mädel wird in ihrem Appartement von beängstigenden Erscheinungen geplagt, deren Ursache vollkommen unerwartet sind und die Rettungsaktion eines Mädchens durch ein paar mutige Jungens geht furchtbar schief. Der Nachfolger V/H/S 2 (oder S-VHS) führt die Handlung um den Videokassettenhaufen und das Haus fort und bindet in diesen Narrativ vier Minifilme ein, die bei Kreativität und Inszenierung aber nochmal eine Schippe drauflegen: eine Zombie-Party, ein satanischer Kult in Indonesien und eine Alien-Entführungsgeschichte. Stellenweise nichts für zart Besaitete. Update: V/H/S 3 (oder V/H/S Viral) nimmt einen neuen Spin und nimmt eine obskure Rahmengeschichte, die sich um einen Eiscreme-Wagen auf Amokfahrt dreht, den alle möglichen Leute mit ihren Smartphone-, Hand- oder Stuntkameras festhalten wollen, um den nächsten Youtube-Hit zu landen. Dazwischen geschaltet sind die typischen und mal wieder verdammt blutigen Kurzgeschichten, die die Story vom verfluchten Umhang des Magiers Dante, eines teuflischen Spiegeluniversums oder eines Todeskults erzählen. Einige davon sind durchaus kreativ und hätten auch zu mehr getaugt. Nur Aliens sind diesmal nicht bei. Schade.

Chronicle
Der junge Andrew ist ein Außenseiter. Von seinen Mitschülern wird er gemobbt und von seinem alkoholkranken Vater geschlagen. Irgendwann geht er dazu über, seinen Tagesablauf mit einer Videokamera mitzuschneiden, was ihm jedoch nur noch mehr schräge Blicke einbringt. Alleinig sein Cousin kümmert sich um ihn und schleppt ihn auf eine Party, wo dessen Kumpel und Schulliebling Steve eine bizarre Entdeckung macht. Ein ganzes Stück abseits der Party stoßen sie auf ein Loch im Boden, das in einen Tunnel mündet, wo ein blau schimmerndes Kristallobjekt in der Erde steckt. Am Morgen darauf ist das Loch abgesperrt und zugeschüttet. Merkwürdiger noch: die drei Freunde entdecken plötzlich telekinetische Fähigkeiten, die sie zunächst für dumme Spielereien einsetzten. Doch werden sie immer mutiger. Vor allem der sonst so zurückhaltende Andrew beginnt damit, Gefallen an der übersinnlichen Macht zu finden. Chronicle ist tatsächlich ein recht kreativer Streifen und fährt sogar mit einigen tieferen Überlegungen zu Macht und Missbrauch auf. Aber vor allem ist er fantastisch inszeniert und in der ersten Filmhälfte erfreulich leichtfüßig unterwegs.

Cloverfield
Mit Cloverfield haben Matt Reeves und JJ Abrams wohl den ersten richtig großen Found-Footage-Film verbrochen. Denn die Story um einige Mittzwanziger, deren Abschiedsparty in New York City plötzlich von einem riesenhaften Alien-Monster-Vieh unterbrochen wird, ist einfach verdammt professionell aufgemacht. Und das sieht man! Großartige Massen-Szenen, weitläufige Kulissen, verblüffende Effekte und eine nette Story, die das alles voranbringt. Leider wachsen einem die Charaktere nicht ans Herz, und wenn Hud zum 100ten Mal hintereinander "Rob!" ruft, dann geht das einem schon mächtig auf'n Keks. Dennoch ist Cloverfield ein Paradestück, das zeigte, dass Found-Footage auch für richtig große Filme funktionieren kann.

The Last Exorcism
Ich mag The Last Exorcism. Denn er ist einer der wenigen Streifen, bei dem ich tatsächlich um das Leben des armen Kameramanns fürchtete, der eigentlich nur eine nette Doku drehen wollte. Und selbige ist – wenn auch mit anfänglichen Längen – durchaus nett. Ein Priester, der eigentlich weder an Dämonen noch an Besessenheit glaubt, fährt durch's Land und verpasst übergläubigen christlichen Fundis Placebo-Exorzismen. Doch bei einem Mädel scheint tatsächlich etwas übernatürliches im Spiel zu sein. Durchaus sehenswert und mit einigen bizarren und überaus verstörenden Szenen gespickt.

Apartment 143 / Emergo
Bereits 2012 erschienen ist mir Apartment 143 erst Mitte 2014 vor die Füße gefallen. In dem spanischen Filmchen wird ein eigentlich recht abgegriffenes aber mir sehr gefälliges Szenario abgefeiert. Die Familie White wird von merkwürdigen Phänomenen gepeinigt, die trotz eines Umzuges weiter anhalten. Daher holen sie sich den Wissenschaftler Dr. Helzer zur Hilfe, der mitsamt Team und jeder Menge Technik anrückt, um den Ursprüngen der Klopfgeräusche, Elektrostörungen und und und auf den Grund zu gehen. Das Ganze ist recht solide inszeniert und wird recht kniffig durch die Optiken verschiedenste Kameras vermittelt, was teils etwas anstrengend aber in Anbetracht des Found-Footage-Gedankens durchaus sinnig und logisch erscheint. Auch können die Effekte und Schauspieler durchaus überzeugen.

Alternative 3
Eigentlich ist Alternative 3 mehr eine Mockumentary als Found-Footage. Doch bezieht sich diese fiktive Doku sehr auf "gefundenes Material" und damit auch auf in typischer Found-Footage-Art gefilmte Szenen. Der einst für den 1. April 1977 angesetzte aber auf Juni verschobene Fiktiv-TV-Bericht behauptet eingangs, es gäbe eine mysteriöse Reihe von Todesfällen unter Wissenschaftlern verschiedenster akademischer Bereiche. Immer mehr Ingenieure, Physiker und Kerntechniker würden als tot oder vermisst gemeldet. Über die Zeit steigert sich der TV-Beiträg in exzentrische Verschwörungstheorien hinein. Ein NASA-Astronaut behauptet, interplanetare Reisen seien schon seit Jahrzehnten möglich. So sei er bei seiner Landung auf dem Mond fast zufällig auf eine Mond-Basis getroffen, die er nicht hätte sehen sollen. Diese gehöre zu einem Top-Secret-Plan, den USA und Sowjetunion gemeinsam ausführen: denn in Anbetracht des Klimawandels und anderer bevorstehender Katastrophen sei die Spezies Mensch nur dadurch zu retten, dass der Mars kolonisiert werde – eine Mission, die die beiden Supermächte nur gemeinsam im Geheimen vollbringen können. Die Doku schließt mit einem Videoband, das eine Marslandung im Jahre 1962 zeigt. Aufgrund des verspäteten Ausstrahlungstermins wurde und wird die Pseudo-Doku immer noch hin und wieder als real missverstanden. Und tatsächlich sind Aufbereitung und Produktion professionell und ohne Witz und Augenzwinkern – und gleichzeitig ein beeindruckendes Zeitdokument.

1 Kommentare:

Florian hat gesagt…

Vielen Dank für diesen interessanten und ausführlichen Artikel.
Es sind ein paar Titel dazwischen, die ich bis jetzt noch gar nicht kannte und werde jetzt versuchen diese Lücke umgehend zu stopfen.

Gruß
Flo