Hallo werter Besucher. Schön, dass du hergefunden hast. Leider wird dieses Webblog nicht mehr aktualisiert. Aber keine Bange. Denn NEIN JA ERLEDIGT LOS ist nur umgezogen. Und zwar hierhin!

Die Rückkehr von HavenCo - Eine Rückfrage

Eine selbsternannte Adelsfamilie bietet in ihrem Staat, einer ehemalige Flak-Plattform vor der Küste Englands, einen sicheren Hafen für Daten und Digital-Content. Was nach einer schrägen Cyberpunk-Vision klingt, das war vom Jahr 2000 bis 20008 in Form der Firma HavenCo kuriose Realität. Doch scheiterte das Projekt furios. Derzeit soll das Unternehmen aber mit neuem Ansatz und realitätsnäheren Plänen wiederbelebt werden – als Garant für Privatsphäre, Datensicherheit und Schutz vor Ausspähung. Quasi rechtzeitig zum NSA- und GCHQ-Überwachungsskandal. Da ich schon damals den Werdegang von HavenCo mit Interesse verfolgte, hab ich einfachmal bei Gründer Avi Freedman angeklopft und mal nachgefragt, was das nun alles werden soll.

Knapp 10 Kilometer vor der Küste von Suffolk, England liegt die demilitarisierte Flak-Plattform HM Fort Roughs. Einsam und verlassen steht sie auf ihren zwei hohlen Betonbeinen im Wasser, bis am 2. September 1967 der Ex-Major Paddy Roy Bates dort anlandet, sich selbst zum Fürsten krönt und einen eigenen Staat ausruft: das Fürstentum Sealand! In den hohlen Beinen der Flak-Plattform ließ der Sohn des Fürsten, Prinz Michael Bates von Sealand, 1999 etliche Server installieren und bot mit der von ihm und dem Sicherheitsexperten Ryan Lackey gegründeten Firma HavenCo Ltd. Datenhosting an, das auf Sealand vor dem Zugriff von Polizei und Staat und damit Rechtsverfolgung geschützt sei. Im Notfall würde alles Equipment und damit sämtliche Daten mit Thermit- und EMP-Ladungen zerstört, proklamierte man spektakulär. Doch zu wenige Kunden fanden sich – weshalb 2008 Schluss war. Nun ist HavenCo wieder da. „Einige der Leute von damals sind involviert. Aber sonst ist es ein völlig neues Unternehmen“, sagt mir Avi Freedman, einer der Gründer der neuen Firma HavenCo, der schon als IT-Spezialist in der Ur-Version des Unternehmens beteiligt war.

Wie Avi Freedman versichert, sei HavenCo kein Schnellschuss, um aus der derzeitigen NSA-Affäre und Überwachungsangst Profit zu schlagen. „Das würde wahrscheinlich eine coolere Story abgeben, aber die Planung startete schon lange davor“, beteuert Freedman. Schon vor einigen Jahren habe er den Gedanken an eine Neuauflage des Unternehmens bei „der Royal Family von Sealand“ vorgetragen. Im Januar dieses Jahres hätte ihn dann eine Email von James, dem Sohn von Michael Bates, erreicht: er und sein Vater überlegten, ob nun die richtige Zeit für einen Neustart gekommen sei. „Interessanterweise war das noch vor dem Launch von mega.com, dem Tod von Aaron Swartz und den Snowden-Enthüllungen“, führt Freedman an. Dann ging alles recht schnell, denn die Grundidee stand schon fest: Sicherheits- und Privatsphären-Services soll HavenCo an die breite Masse liefern – verständlich und einfach nutzbar. Darunter VPN-Services und Web-Proxy-Dienste, die ein unbeobachtetes Surfen und privaten Datenaustausch im Netz erlauben. Aber auch verschlüsselte Datenlagerung, da „deine Daten in der Cloud sonst nicht wirklich sicher sind“. „Anders als beim ersten Mal stützt sich unser Plan diesmal auf technische Lösungen statt juristischer und geographischer Isolation“, meint der HavenCo-Mitbegründer. Das bedeutet auch: die Flak-Plattform ist nicht mehr das Zentrum des Unternehmens. Stattdessen böte eine Infrastruktur mit Knotenpunkten in über 20 Ländern den benötigen Schutz und garantierte Zuverlässigkeit. Das verspricht HavenCo jedenfalls.

Dennoch ist Sealand nicht gänzlich außen vor. „Sealand ist derzeit eher auf geistiger Ebene eingebunden. Wir planen aber auch, aufgrund der Nachfrage unserer Kunden, Langzeitdatenlagerung – also Cold Storage – und die Speicherung von verschlüsselten Keys auf Sealand anzubieten“, gibt Freedman preis. Auch hätte der Relaunch von HavenCo einfach ein großes Interesse an generellem Hosting auf Sealand losgetreten. Doch das sei aufgrund der eher schmalbandigen Anbindung Sealands ans weltweite Netz derzeit eher schwierig und später höchstes für wenig datenintensive und wenig kritische Angebote durchführbar. „Definitive Pläne für 2013 gibt es jedenfalls nicht“; stellt der HavenCo-Gründer klar.

Das Team hinter HavenCo ist sich darüber hinaus klar, dass ihr Angebot derzeit alles andere als einzigartig ist. Dutzende Firmen weltweit bieten ähnliche Dienstleistungen an. „Konkurrenzkampf ist gut“, begrüßt Freedman jedoch das gegenwärtige Bild. Doch wolle man mit einigen besonderen Angeboten hervorstechen. Ansonsten möchte der HavenCo-Gründer den potentiellen Kunden keine große Versprechungen machen. Die Skepsis mancher verstehe er, sagt Freedman, ebenso sei er sich der positiven wie negativen Last des Namens HavenCo bewusst. Ob die Leute ihn annehmen, das sei ihnen komplett selbst überlassen. Doch bittet er, den Service einfach anzutesten, zu Urteilen und vielleicht Feedback zu geben.